25 Jahre Bürgerverein
Eine positive Bilanz
Geschichte Brochhagens
Geschichte Brochhagens


Nach bisherigen Forschungen kann man davon ausgehen, dass unser Sülztal ab dem 9. Jahrhundert planmäßig besiedelt wurde.
Sicher gab es schon menschliche Spuren. So sind uralte Feuerstellen im Scheeler Zwergenloch gefunden worden. Eine uralte Sprachgrenze (Benrather Linie) verläuft sülzaufwärts und dokumentiert altes fränkisches und sächsisches Siedlungsgebiet. Dabei ist unser Dialekt fränkisch, der Richtung Wipperfürth sächsisch.

Seit dem 12. Jahrhundert regieren die Grafen von Berg, die unserer Region den Namen Bergisches Land gebeben haben.

Ihr herrschaftlicher Einfluss wird durch die ehemaligen Burgen Neuenberg und Eibach dokumentiert.
Zunächst musste der nur von wenigen Wegen durchkreuzte Wald gerodet werden. Wobei die Rodungen wohl von Lindlar ausgingen und sich langsam die Bachläufte hinauf vorarbeiteten. Das Alter der Rodung kann man oft an den Namen der auf den Rodungsflächen errichteten Höfe erkennen. Dabei tauchen als früheste Ortsbezeichnung Namen mit den Endungen „-rode“, „-hausen“ und „-hagen“ auf. Orte mit „-hausen“, die es in unserer Gegend oft gibt, zeugen von sächsischem Einfluss. Brochhagen gehört also zu frühem Rodungsgebiet Lindlars. Man kann davon ausgehen, dass dies im 11. und 12. Jahrhundert der Fall war. Der erste schriftliche Beleg erscheint aber erst später im 14. Jahrhundert. 1318 unterschreibt ein Dietrich von Brochhagen als Zeuge eine Urkunde des Stiftes St. Ursula in Köln. Wir können also in 14 Jahren das nächste größere Fest – die 700-Jahr-Feier - begehen.

Wie schon erwähnt liegt Brochhagen im Grenzgebiet von Franken und Sachsen, wobei die Grenzen häufig verschoben wurden. Diese Grenzen wurden oft durch sogenannte Landwehren geschützt. In Brochhagen ist eine solche nachgewiesen; Von Rübach, Holl kommend traf sie etwa beim Gut Löh auf die Sülz und ging Richtung Bühlstahl. Landwehren bestanden aus Reisighaufen, Ilex- und Dornenhecken, Gräben. Die Reste sind leider im Rahmen der Flurbereinigung fast alle verschwunden.

Oft wechselnde Landesherren und Kriege prägten unsere Gegend und hielten die Bevölkerung Jahrhunderte lang in bitterer Armut. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts stirbt das Geschlecht der Grafen von Berg aus. Brochhagen gehörte zum Kirchspiel Lindlar, das wiederum dem Stift St. Severin in Köln gehörte und Abgaben (Steuern) dorthin abführen musste. Die weltliche Macht wurde von der mittlerweile nicht mehr zu findenden Burg Steinbach ausgeübt. Am 1. September 1550 wird in einer Hofrolle der Lohngüter zu Lindlar auch Brochhagen erwähnt. Die Reformation hat in Lindlar keine Spuren hinterlassen, aber der 30jährige Krieg (1618-1648) der auch in unserer Heimat tobte. Wer nicht durch Mord oder Krieg zu Tode gekommen war, musste unter Pest und Hunger leiden. Man muss davon ausgehen, dass auch Brochhagen weitgehend entvölkert und zerstört war.

Die französische Revolution wirkt sich bis zu uns aus. Revolutionsheere verwüsten das Bergische Land. Die anschließend aufgebaute Verwaltung hat französische Prägung. Die Franzosen gründen das Großherzogtum Berg. Am 11. Januar 1809 wird das alte Lehnswesen abgeschafft, womit die jahrhundertealte Abhängigkeit Brochhagens vom Fronhof Lindlar endet. 1815 kam das Herzogtum Berg an Preußen, zur Rheinprovinz. Aus dem ehemaligen Amt Steinbach wurde der Kreis Wipperfürth. 1932 wurde aus den Kreisen Wipperfürth und Mülheim der Rheinisch Bergische Kreis, dem Lindlar und damit Brochhagen bis 1975 angehörte, um dann dem Oberbergischen Kreis zugeordnet zu werden.

In der Geschichte Brochhagens spielt die Mühle Unterbrochhagen eine wichtige Rolle. Als s.g. Kameralmühle gehörte sie dem Landesherren und die umliegenden Bauern waren verpflichtet dort ihr Getreide mahlen zu lassen. Erst 1813 wurde die Mühle verkauft und gelangte zum Ende des 19. Jahrhunderts in den Besitz der Familie Kemmerich.

Über Jahrhunderte gehörte Brochhagen zur Pfarre St. Severin in Lindlar. 1796 – 1797 erfolgte nach langem Warten sowohl die staatliche als auch die kirchliche Genehmigung zur Bildung einer eigenen Pfarre in Frielingsdorf. Da damit auch Kirchen- und Schulbau verbunden war, konnten zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Brocher Kinder in Frielingsdorf getauft werden und zur Schule gehen.
Man muss sich vorstellen, dass Brochhagen über Jahrhunderte eine Ansammlung einiger, weniger Bauernhöfe war. Die meisten Höfe waren so klein, dass sie im Nebenerwerb betrieben werden mussten. Arbeit bot die Stahl- und Steinindustrie im Leppetal. Heute ist Brochhagen ein stattlicher Ort mit über 500 Einwohnern. Landwirtschaft wird nur noch von einem Vollerwerbslandwirt betrieben. Brochhagen hat sich zu einem schmucken, liebenswürdigen Dorf gemausert, dem an vielen Stellen die Vergangenheit in Gebäuden und Wegekreuzen angesehen werden kann.

Jürgen Dreiner-Wirz